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Literaturempfehlungen

Geschwisterkinder haben Fragen und Ängste, machen Beobachtungen und sammeln Erfahrungen, die ihr Leben prägen. Viele Erkenntnisse und Lebenswege sind in Büchern festgehalten, die sowohl Geschwisterkindern als auch deren Eltern Unterstützung bieten können.

Auch Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich können hier fündig werden. So umfasst die Literaturliste eine Auswahl an Fachbüchern, Erfahrungsberichten, Romanen sowie Kinder- und Jugendbüchern, die sich mit dem Thema und dem Themenumfeld Geschwisterkinder befassen.

Anmerkung zu den Altersangaben:

Geschwister von Kindern mit Behinderungen und/oder Erkrankungen lesen diese Bücher anders als Kinder, die mit diesem Lebensbereich noch keine direkte Erfahrung haben. Deshalb ist eine genaue Altersangabe nicht einfach. Bei den Kinderbüchern ist es grundsätzlich gut, wenn Erwachsene diese Bücher kennen, um auf Fragen zu reagieren, um Inhalte zu diskutieren. Hinzu kommt, dass die Bücher unterschiedliche Haltungen zum Leben mit Behinderung und Erkrankung schildern.

Fachbücher         Jugendbücher      Romane

Kinderbücher      Bilderbücher        Bücher zu Sonderthemen

 Komplette Literaturliste

Die Literaturempfehlungen werden mit freundlicher Unterstützung der Rest-Cent Aktion realisiert.

Buchbesprechungen von Marlies Winkelheide, Dipl. Sozialwissenschaftlerin

Das Ende ist erst der Anfang

Chandler Baker

Verlag Thienemann, Stuttgart 2018

Es ist ein denkwürdiges Szenario:

In 23 Tagen wird Lake 18. Dann hat sie die Chance, genau einen Menschen von den Toten auferstehen zu lassen.

Sie hat einen älteren behinderten Bruder, querschnittsgelähmt ab der Halswirbelsäule durch einen Unfall. Er könnte nach der Auferstehung wieder gesund sein.

Die Eltern erwarten, dass Lake sich für ihren Bruder entscheidet. Die Geschwisterbeziehung der beiden ist kompliziert, von Abneigung geprägt. Matt wertet sie oft in allen Bemerkungen zu ihrem Alltag, ihrem Umgang mit Freunden ab, verletzt sie. Lake erwidert seine Abneigung und verletzt ihrerseits. Muss sie den Erwartungen der Eltern entsprechen?

Kurz vor ihrer möglichen Ressurection sterben bei einem Autounfall, den sie überlebt, ihre besten Freunde, Penny und Will, in den sie verliebt ist.

Die Frage der Wahl stellt sich neu. Wen von den beiden würden sie auferstehen lassen wollen, wenn sie sich der Entscheidung der Eltern entziehen kann.

Es ist ein schreckliches Dilemma. Auf dem Weg der Auseinandersetzungen zu einer möglichen Lösung trifft sie auf neue Menschen, lernt Menschen kennen, die auferstanden sind und sich sehr, auch negativ, verändert haben. Ihre Gefühlswelt gerät durcheinander, auch durch das, was sie im Nachhinein von ihren Freunden erfährt.
Und dann lüftet sich ein Geheimnis....

 

Sicher ist es science fiction. Dennoch:

Die vielfältig beschriebene komplizierte Geschwisterbeziehung zu einem sie ablehnenden Bruder, der in allem auf Hilfe anderer angewiesen ist, während sie Freiheit und Bewegung genießen kann,  die selbstverständlichen  Erwartungen der Eltern, die Beziehung zu Außenseitern im Leben machen das Jugendbuch zu einer spannenden Lektüre für Geschwister.

Mama Tandoori

Ernest van der Kwast (Roman)

Btb, Verlag Random House, München 2018

 

Zum Autor: Ernest van der Kwast, 1981 in Bombay geboren, halb indischer, halb niederländischer Herkunft

Das Buch mit autobiographischen Zügen beschreibt das Leben mit zwei Welten und ist eine interkulturelle Auseinandersetzung, u.a. mit dem Leben mit einem behinderten Bruder zwischen den Welten der Niederlande und Indien, dem Herkunftsland der Mutter.

Die Mutter hat eine traumatische Lebensgeschichte, die ihr ganzes Leben bestimmt und nicht zu einer Versöhnung kommt. Sie kann die Lebenswege ihrer Kinder nicht respektieren, wenn sie von den Vorstellungen abweichen, die sie für sie hatte.
Den Sohn mit Behinderung möchte sie heilen, geht dabei die seltsamsten Wege, vertröstet ihn immer wieder, das er so werden kann wie die Brüder.

Er bleibt sich treu.

Die Bedeutung von Prägung, Träume, das nicht aufgeben können von Wünschen, das Leben mit zwei Kulturen, witzig, humorvoll geschrieben und gleichzeitig aufrüttelnd

 

 

Zwei Schwestern, ein Leben

Über Liebe, Trauer und das, was im Leben wirklich zählt

von Elisabeth Lesser

Deutsche Erstausgabe btb Verlag Random House, München 2018

Das ist das Szenario:

Eine von vier Schwestern, Maggie, die Jüngste- (alle Schwestern haben eine persönliche, eigenwillige Lebensgeschichte und sehr unterschiedlichen Lebensphilosophien) erkrankt mehrfach an Krebs und jetzt kann nur noch eine Knochenmarktransplantation helfen. Die älteste Schwester Elisabeth ist die am besten geeignete Spenderin und erklärt sich dazu bereit.
Eine Auseinandersetzung der erwachsenen Schwestern mit ihrer Familiengeschichte beginnt, auch begleitet von besonderen Therapiegesprächen. Sie wollen eine andere Haltung zu Konflikten und Verletzungen entwickeln, ihre Sichtweisen dazu austauschen, sich versöhnen, Dinge ruhen lassen, bevor sich ihr Blut vermischt.

Der Prozess der Knochenmarktransplantation wird aus dem Erleben beider Schwestern geschildert. Er gelingt zunächst. Doch dann gibt es die Abwehrreaktionen, eine Rettung der Schwester ist nicht mehr möglich.

Die Schwestern, und die gesamte Familie begleiten sie bis zum Ende ihres Lebens.

 

Der Roman beschreibt die Vielfalt von Geschwisterbeziehungen in der Rückschau, ausgelöst durch die extreme Lebenssituation einer Schwester.

Mein Weg mit Vanessa

von Kerascoet ( Künstlerehepaar)

Verlag Aladin, Hamburg 2018

 

Ein Bilderbuch ohne Worte mit liebenvollen Illustrationen zum Thema Außenseite, Mobbing,

Möglichkeiten der Unterstützung mit einem kurzen Nachwort:

Wie du jemandem helfen kannst, der gehänselt wird

 

Das Buch enthält am Ende konkrete Hinweise auf Schritte, die unternommen werden können um sich gegen Mobbing zu wehren, früh auf das Problem aufmerksam zu machen.

 

HIER SIND WIR

Anleitung zum Leben auf der Erde

von Oliver Jeffers

NordSüd Verlag 2018 (Bilderbuch)

 

Oliver Jeffers hat das Buch für seinen Sohn Harland geschrieben. Es enthält alles, was ein Neuankömmling auf dieser Welt wissen muss.

Es enthält Botschaften an Menschen, die für jeden Menschen, gleich welchen Alters, wertvoll und wichtig sind.

Einige seien hier stellvertretend zitiert.

 

Es gibt Menschen in allen Formen, Größen und Farben.
Wir sehen zwar alle unterschiedlich aus, verhalten uns anders und klingen verschieden

..aber lass dich nicht täuschen: Wir sind alle Menschen.

 

Groß sieht sie aus, unsere Erde.
Aber wir sind ja auch viele, darum sei nett:
Es gibt genug für alle.
Pass gut auf sie auf. Sie ist alles, was wir haben


Wenn du sonst noch etwas wissen willst, dann frag mich einfach

Und wenn ich mal nicht da bin.. kannst du immer noch jemand anders fragen.

Denn du wirst nie allein sein auf der Welt.

 

Nicht weg und nicht da

Anne Freytag

Verlag Heyne München 2018

 

Den Anfang kannst du nicht ändern- das Ende schon (Klappentext)

Der ältere psychisch erkrankte Bruder von Luise begeht Selbstmord. Sie muss damit fertig werden in einem Leben, das bis jetzt  überwiegend von der Erkrankung ihres Bruders bestimmt war. Die alleinerziehende Mutter flüchtet sich in die Arbeit, Gespräche sind nicht möglich. Sie leben einander vorbei, können auch ihre Trauer nicht teilen, mitteilen.
Luise, 15 Jahre, verändert radikal ihr Aussehen ( Haare!) um ihrer neuen Lebenssituation einen Ausdruck zu geben. Eine neue Freundschaft scheint ihr unmöglich zu sein, doch als ihr

Jacob- auch mit einer besonderen, zunächst geheimnisvollen Lebensgeschichte-  begegnet, scheint eine Beziehung beginnen zu können.

Das Ende verändert sich aber entscheidend durch eine erste E-Mail, die von ihrem toten Bruder kommt. Und in der Aufgaben für sie formuliert sind, die sie erfüllen muss, damit es Kristopher in der „Zwischenwelt“ gut gehen kann. Es kommen weitere Mails mit Aufgaben, fast wie Anweisungen formuliert, auch an die Mutter. Am Ende  gibt es eine gemeinsame Aufgabe für beide. Gespräche werden möglich. Ein neues Leben, auch Familienleben,  kann beginnen.

 

Eine bewegende Beziehungsgeschichte von Menschen mit besonders prägenden Erlebnissen in ihrem Leben, eigenwillige Bearbeitungsmöglichkeiten von Verlusten und die Botschaft, das Leben wieder neu gestaltet und gelingen kann.

 

Ein kleines Wunder würde reichen (Roman)

Penny Joelson

Verlag Fischer, Frankfurt 2018

 

Im Roman wird die komplexe Geschwisterbeziehung von drei Pflegekindern in einer Familie beschrieben aus der Sicht des ältesten Kindes, Jemma, 14 Jahre, nicht sprechend, im Rollstuhl sitzend, den Körper nicht kontrollieren könnend. (Zerebralparese) Das jüngste Kind Finn (6) ist autistisch mit stark ausgeprägten Zügen und die mittlere verhaltensaufällige Tochter Olivia (9) hat den Wechsel in vielen Pflegefamilien hinter sich.

Wir lesen mit ihren Worten, die sie nicht sagen kann, die Gedanken von Jemma. Bewegend ist auch innerhalb des Buches ihre Begegnung der leiblichen Zwillingsschwester Jodi, von deren Existenz sie nichts gewusst hat. Jodi hat Kontakt aufgenommen, will sie sehen. Die Eltern stimmen zu, aber Jodi ist so überwältigt von der Ähnlichkeit der Schwester, gleichzeitig der schweren Behinderung, dass sie sich abwendet. Später nähern sich die Mädchen wieder an, in Briefen, in Begegnungen.

Ebenso zentral ist das Bemühen der Eltern eine Möglichkeit zu finden, dass Jemma einen Weg findet unterstützt kommunizieren zu können. Das gelingt am Ende durch ein sich noch in der Forschung befindendes Gerät eines israelischen Spezialisten in UK.

Jemma ist bemüht schnell zu lernen um sich mitteilen zu können.

Eine Rahmenhandlung ist die Geschichte mit ihrer Pflegerin Sarah und deren Freund, der Jemma nicht nur immer wieder beleidigt und bedroht, sondern ihr auch ein Geheimnis einer Straftat mitteilt, da sie nichts verraten kann. Letztendlich wird diese dramatische Geschichte, das Verschwinden der Pflegerin, ein Mord durch neu gewonnenen Fähigkeiten der Kommunikation von Jemma geklärt und gelöst.

 

Eine bewegende Geschichte der Gefühle von Menschen, die nicht sprechen können, von komplexen Geschwistergefühlen, von Höhen und Tiefen von Pflegeeltern im Leben mit den ihnen anvertrauten Kindern, dem Glauben daran, jedem Menschen Sicherheit  geben zu wollen (können) und das Recht auf die Möglichkeit zu kommunizieren, gehört zu werden.

Geschwister von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen

Erleben und Bewältigungshandeln

Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Sabine Metzing

Christiane Knecht

Springer Fachmedien, Wiesbaden 2018

Diese Promotionsschrift  ist 2016 im kooperativen Forschungskolleg Familiengesundheit im Lebenslauf  der Universität Witten /Herdecke und der Hochschule Osnabrück entstanden.

Mit der Methode der Grounded Theory untersucht die Autorin wie sich das Beziehungsgefüge

aus der Perspektive gesunder Geschwister darstellt, wenn sie mit einem von chronischer Krankheit betroffenen Geschwisterkind aufwachsen.

Es geht dabei im wesentlichen um die Verhaltensweisen der gesunden Geschwister in ihren Reaktionen, in ihrer Anpassung auf die Erkrankung der Geschwister zwischen Ambivalenz und Ambiguität. Sie entwickeln eigene Strategien, um selbstverständlich zwischen den Welten zu leben, ihrer eigenen sozialen und der irritierten familialen Welt.

 

Das Buch ist ein MUSS für alle, die mit Geschwistern arbeiten.

Durch das aufmerksame Lesen der Fallbeispiele mit ihren Erklärungen gibt das Buch Anregungen zum Nachdenken über Prozesse in der eigenen Praxis

books.google.com/books/about/Die_Stille_meiner_Worte_Leseprobe.htmlBens Sonnenblumen

Ein Kinderfachbuch zum Thema Trauer

von Andrea Hendrich & Bernadette Schmitt

Mabuse-Verlag, Frankfurt 2018

Ben, der mittlere von drei Geschwistern, ist bei einem Unfall gestorben.

Im einfühlsamen Kinderbuch wird nicht nur von den ersten Ereignissen um den Unfall, die Beerdigung erzählt, sondern es geht viel mehr um die unterschiedlichen Wege der Trauer der einzelnen Familienmitglieder. Jedem hilft etwas anderes mit dem Verlust des Bruders, des Sohnes zu leben und gemeinsam finden sie, auch unterstützt durch andere, einen neuen Weg in der Familie.

 

Im Anhang finden sich Antworten auf Fragen, die sich in ähnlichen Trauerprozessen stellen; Literaturtipps  und hilfreiche Adressen.

Mein Herz in allen Einzelteilen

von Julie Buxbaum

Verlag Bastei Lübbe, 2018

Der Vater von Kit stirbt bei einem Autounfall. Alles ändert sich in ihrem Leben.

Die in der Schule beliebte Kit will nicht mehr mit ihren Freundinnen abhängen. Ihr ist alles Gerede zu oberflächlich.

In der Schule setzt sie sich beim Mittagessen zu David, einem Jungen mit Asperger-Syndrom,

dem Außenseiter. So hofft sie in Ruhe gelassen zu werden. Doch David versucht zu Kit eine Beziehung aufzubauen, mit ihr zu sprechen, sie zu fragen. Ihr auch von sich zu erzählen.
Seine Schwester, von ihm „Meini“ genannt, die früher dieselbe Schule besucht hat, ist seine beste Beraterin in all seinen Lebenslagen, von Beginn an. Sie sagt ihm, wie er in manchen Situationen zu verhalten hat, stellt Regeln auf. Er schreibt sich das alles auf.
David verändert sich. Kit beginnt sich auf ihn einzulassen. David ist schonungslos ehrlich. Er wird von den anderen gemobbt.
Sie wird in manchen Situationen auf die Probe gestellt.
David verfügt über besondere analytische Fähigkeiten. Er soll ihr helfen den Autounfall zu erklären. Er kann die Aufgabe lösen. Dann kommt es aber zu Verwirrungen in der Beziehung, David geht ganz zurück in seinen Autismus. Die Schwester bleibt an seiner Seite.

Es ist eine besondere Beziehungsgeschichte. Wichtig ist beim Lesen auf die Rolle der Schwester zu achten, die für eine besondere Begleitung in Davids schrittweisen „Befreiung“ von manchen autistischen Verhaltensweisen steht.

Eines der Hauptthemen ist der Umgang mit Schuld und bewussten Neuanfängen im „Leben danach“

Die Stille meiner Worte

von Ava Reed

Verlag Ueberreuter, Berlin 2018

Hannah spricht nicht mehr seit dem Tod ihrer Zwillingsschwester.

Immer haben sie alles zu zweit gemacht, sich die Sätze gegenseitig vervollständigt.

Hannah schreibt an Izzy- aber sie verbrennt die Briefe. Das ist ihr Geheimnis.

Die Eltern verändern die Umgebung, ziehen in ein neues Haus. Die Stille ist für sie als hätten sie beide Kinder verloren. Sie geben die jugendliche Hannah in ein besonderes Internat mit einem vorbereitenden Feriencamp, in das Hannah die Katze ihrer Schwester schummelt.
Mit den einzigartigen Möglichkeiten einer Gruppe von Jugendlichen mit besonderen Lebensgeschichten, der Beziehung zu Levi, der versucht ihr Geheimnis kennen zu lernen, findet Hannah in kleinen Schritten in die Welt der Sprache zurück, in die Welt, in der sie ohne Izzy leben muss..


Der umfassende Themenbereich ist das Überleben mit dem Gefühl einer Schuld

Die Unmöglichkeit des Lebens

von Robin Stevenson

Verlag Beltz&Gelberg, Weinheim 2018

Die Geschichte einer Freundschaft spielt in Amerika.

 

Für Jeremy erscheint es unmöglich weiter leben zu können nach dem Tod seines Bruders (Epileptiker, für den er sich verantwortlich fühlt.

Selbstmord ist für ihn ein Thema wie für Mel auch. Deren Mutter ist Traumatherapeutin und engagiert sich für Menschen im Todestrakt. Tod ist ein Thema, das sich auf mehreren Ebenen durch dieses Buch zieht, erst als Gedanke, dann ein Versuch- Jeremy überlebt und sucht aktiv einen neuen Lebensweg, unterstützt, in manchen Facetten auch nur toleriert durch die Freundschaft mit Mel.

 

Eine besondere Geschwistergeschichte, die um die Themen, Verantwortung, Schuld, Freundschaft kreist

Born Scared

von Kevin Brooks

Dtv, München 2017

Ein Krimi oder die Vermittlung einer Angstkrankheit? Elliot hat Angst vor dem Leben und will das Haus nicht verlassen.

Er nimmt ständig Tabletten gegen seine Angst, damit er überhaupt leben kann. Und dann gehen seine Medikamente aus, ausgerechnet am Heiligabend. Alles gerät durcheinander, er wird in schwierigste Geschichten verwickelt. Eben auch in eine kriminelle.
Das Buch schildert ebenso eine Überwindung der Angst auf ungewöhnlichste Weise.

Im Vordergrund  ist es eine Zwillingsgeschichte. Ein Zwilling ist während der Schwangerschaft im Mutterleib gestorben. Elliot, der überlebende Zwilling „spricht „mit seiner Schwester Ellamay oder auch sie mit ihm. Diese Dialoge begleiten ihn in seinem Leben.  Er setzt sich mit dem Gefühl der Überlebensschuld auseinander. Diese Dialoge sind aber ebenso hilfreich, wenn es um das Leben geht, den Mut die Angst zu überwinden.

Antworte schön, wenn du gefragt wirst

von Eva Janikovsky

Mora Verlag 2017

Es geht um die Fragen eines Kindes in der Begegnung mit Erwachsenen bzw. die Fragen von Erwachsenen an ein Kind.

Wunderbar illustriert sind die verschiedenen Lebenswelten von Laszlo Reber.

Das Buch enthält viele anschauliche Beispiele, auch in ihrer Veränderung.

Es enthält eine mutmachende Botschaft.

Es verändert die Situation eines Kindes entscheidend, wenn es auch nur einen Erwachsenen gibt, der auf die Fragen antwortet wie das Kind sie stellt und sich eben auch für diese Inhalte interessiert. Wenn auch ein Kind mit der Zeit lernt so zu antworten wie die Erwachsenen es sich vorstellen- mit sehr viel Humor an Beispielen  vermittelt- so geht manchmal doch das Interesse an einem wirklichen Gespräch miteinander verloren. Davor warnt dieses Buch.

 

Der Himmel in deinen Worten

von Brigid Kemmerer

Verlag Harpe Collins, 2017

Es ist ein ungewöhnliches Buch. Man kann es unter vielen Blickwinkeln betrachten. Es kann als besondere Trauergeschichte gelesen werden- und das Thema Trauer steht auch im Vordergrund- als Liebesgeschichte von sehr unterschiedlichen Menschen. Es ist eine in vielfacher Hinsicht Schilderung ungewöhnlicher Lebens- und Familiengeschichten und der damit auch verbundenen Kommunikation. Es ist eine Geschichte über Vorteile, auch eine Geschichte über den Umgang mit Verantwortung und Schuld und der Hoffnung auf  Verstanden Werden, es ist eine Geschichte von Verzweiflung. Es ist auch eine Geschwistergeschichte.

Im Mittelpunkt dabei stehen Briefe, die Juliet immer an ihre Mutter geschrieben hat, die über lange Zeiten von der Familie entfernt lebte und die sie ihr nach dem Tod weiter schreibt und auf ihr Grab legt.
Dort findet sie ein Junge, der zur Strafe auf dem Friedhof Dienst machen muss. Er ist in einer ähnlich verzweifelten Situation. Sie schreibt zurück. Der Briefwechsel ist ehrlich, offen, schonungslos. Es bleibt anonym. Sie gestehen sich auf dieser Ebene Dinge ein, die in der realen Welt kaum auszusprechen noch anderen zu vermitteln sind. Sie wissen über lange Zeit nicht, dass sie sich auch in der realen Welt kennen.

Juri West sieht rot

von Doris Meißner-Johannknecht, mit Bildern von Aljoscha Blau

Obelisk Verlag 2017

Die äußere Rahmenhandlung beschreibt einen 10-jährigen Jungen, dessen Vater die Familie verlassen hat und keinen direkten Kontakt mehr will. Juri setzt aber bei Mutter und Vater durch, das er seinen 10. Geburtstag mit ihm feiern darf. Er gerät in eine ihm sehr fremde Welt, die er aber der Zugewandtheit zu ihm gleich akzeptieren kann. Der Vater hat ihn über seine Lebenssituation getäuscht, Juri kann das akzeptieren.

Per Zufall und dank seiner Aufmerksamkeit - Superman ist immer rot gekleidet - entdeckt er eine Beziehung zu einem Mädchen und dessen autistischen Bruder. Sein Leben zwischen den Welten organisiert sich neu.

Ausgezeichnete Schilderung unterschiedlicher Sozialmilieus, in den Konturen sehr scharf sind, eine extrem schwierige Geschwisterbeziehung und ein Trennungskind zwischen den Welten.

Ein Geschwisterchen für die kleine Eule

von Debi Gliori & Alison Brown

Loewe Verlag 2017

Eigentlich will die kleine Eule kein Geschwisterchen. Sie will einzigartig bleiben. Aber da gibt es schon das neue Eu, das die Mama gelegt hat! Sie stellen sich gemeinsam vor, wer aus diesem Ei alles schlüpfen könnte, ein Baby-Krokodil, ein Baby-Pinguin und andere mehr. Aber dann ist es doch besser, wenn eine Baby-Eule kommt, die kline Eule eine große Eule wird und sich der Liebe der Mutter sicher sein kann.

Eine einfallsreiche Geschichte zur Ankunft eines Geschwisterchens und der Bedeutung größer zu werden.

Wunderland

von Tom Tirabosco

avant Verlag, 2017

Es ist ein Comic und es ist ein Buch für Erwachsene, die autobiografische Geschichte des Zeichners Tom Tirabosco, die Bearbeitung seiner Lebensgeschichte mit einem körperbehinderten Bruder.

Wir erfahren von den unterschiedlichen Lebenswelten der Geschwister. Der körperbehinderte jüngere Bruder, mit einer Beinprothese und Armstümpfen, kämpft um sein Leben und seine Anerkennung, wirkt überall mit, beim Fußball, bei Banden etc. Mitleid liegt im fern, er trotzt allen Blicken anderer.

Der älter Bruder Tom zieht sich zurück, fühlt sich als der Schwächere, entflieht in fantastische Welten, entwickelt früh sein künstlerisches Talent.

Hinzu kommt eine interkulturelle komplexe und politische Familiengeschichte. Auch ein 3. Kind, ein weiterer Bruder, ändert nichts an der Geschwisterauseinandersetzung von Tom Tirabosco, der vom verbissenen Willen seines Bruders eher eingeschüchtert ist. Michel wird ein bekannter Panflötist.

Am Ende der bewegenden Geschichte sprechen die Brüder über ihre Beziehungsgeschichte, auch das unterschiedliche Erleben der Familie.

10 Jahre hat Tom Tirabosco an seinem Werk gearbeitet.

Dieses Buch sollten alle kennen, die mit Geschwistern arbeiten.

Wie ein springender Delfin

von Mark Lowery

Rowohlt Verlag, Hamburg 2017

Es ist eine bewegte und bewegende Geschwistergeschichte, die der ältere Bruder eines mehrfachbehinderten Bruders erzählt.

Nach seiner Geburt bekommt Martin sozusagen den Auftrag, immer auf seinen Bruder Charlie aufzupassen. Charlie muss mit etlichen Einschränkungen leben, ist aber willensstark und sehr originell, kann seine Wünsche äußern und durchsetzen. Die Familie folgt dabei oft seinen eigenwilligen Plänen. Die Brüder entwickeln eine gute Geschwisterbeziehung, Martin schildert seinen Bruder Charlie als den tollsten Bruder der Welt, trotz allem, worauf zu achten ist.

Das Buch schildert eine besondere und spannende Reise der beiden Brüder, mit vielen Begegnungen und einem vielleicht doch überraschenden Ende, bei dem dann auch die Eltern eine Rolle spielen.

Die Überraschung oder auch Auflösung mancher Fragen, die sich im Verlauf des Lesens stellen, sollte hier nicht benannt werden. So kann man sich besser auf den Verlauf der Geschichte einlassen.

Das Buch ist geeignet für Jugendliche ab 12 Jahren, auch für diejenigen, die über den Verlust eines Geschwisterkindes nachdenken.

 

 

Oma, Onkel, Papa und Cousine -  Mein Familienalbum

von Joe Lyward

Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2017

Eine gute Beschreibung von Verwandtschaftsbeziehungen und deren korrekte Bezeichnungen. Solange es nicht kompliziert wird mit den ganzen Verwandtschaftsbeziehungen, für die es vielleicht nicht mal einen genauen Namen gibt?

Ich bau mir einen großen Bruder

von Anias Vaugelade

Moritz Verlag, Frankfurt 2017

Wie unser Körper funktioniert.

Ein Kind möchte lieber einen großen Bruder haben, denn sie hat lediglich eine kleine Baby-Schwester. Deshalb will sie sich einen großen Bruder bauen. Alle ihre Kuscheltiere beraten sie dabei im Bau.

Es wird gebastelt und sich dabei informiert, wie so ein Körper funktioniert: Muskeln, Nerven, Sinnesorgane, Gehirn, Verdauungssystem, Herz, Arterien, Haut, Haare, Nägel.

Als der große Bruder fertig gebaut ist, kann er sich nicht bewegen. Die kleine Schwester kommt angekrabbelt und fragt: "Widu bielen?"

In der Geschichte funktioniert die Aufforderung zum Spiel, der große Bruder bewegt sicht.

Eine eigenwillige Geschichte, mit viel Spaß zu lesen, die viele Kenntnisse über den Körper vermittelt. Der Titel ist spannend für Kinder, daher nehmen sie auch das großformatige Buch in die Hand.

Julian, Christopher & Charlotte erzählen Wunder

von Raquel J. Palacio

Verlag Hanser, Hamburg 2017

Dem Buch WUNDER, die Geschichte von August mit dem entstellten Gesicht, ursprünglich erzählt aus 6 Perspektiven, werden durch dieses neue Buch weitere Sichtweisen hinzugefügt. Julian ist der Klassenkamerad, der August mobbt. Christoph, von Anfang an der beste Freund von August. Doch die räumliche Trennung durch einen Umzug ermöglicht ihm Abstand zu nehmen. Er stellt fest, dass es für ihn gut ist, obwohl er August auch vermisst.

Charlotte kümmert sich um August in der Klasse, weil sie sich sehr für Grechtigkeit einsetzt. Sie muss sich dabei mit ihren Grenzen auseinandersetzen, damit sie auch für sich selbst sorgen kann.

Die drei Jugendlichen schildern ihr Leben, das sich durch die Begegnung mit August auf jeden Fall verändert hat. Sie können sich und ihren Vorstellungen vom Leben nicht mehr ausweichen und müssen sich damit auseinandersetzen. Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit ihren Familien, vor allem ihren Müttern, die sie auf ihre Weise unterstützen oder zurechtweisen.

Ein Buch, das sehr viele Fragen aufzeigt im Umgang mit Anderssein. Es vermittelt auch Hoffnung wie ein guter Umgang aussehn könnte, welche Prozesse in Menschen, welcher Einsatz dazu auch notwendig wäre.

 

 

Die Romantherapie für Kinder

von Ella Berthoud & Susan Elderkin mit Traudl Bünger

Insel-Verlag, Berlin 2017

Das Buch enthält Hinweise für verschiedene Lebenssituationen und unterschiedliche Entwicklungsniveaus (Bilderbücher, Erstlesebücher, Jugendbücher).

Es ist gut für Erwachsene anzuschauen und zu lesen. Es gibt keine speziellen Hinweise auf Literatur zu Geschwistern von Kindern mit Behinderungen, Beeinträchtigungen, chronischen oder lebensverkürzenden Erkrankungen. Aber bei unterschiedlichen Stichworten, z.B. Geschwisterrivalität, Trauer, Behinderung lässt sich manch anregendes Buch finden.

1000 Gefühle, für die es keine Namen gibt

von Mario Giordano

Berlin Verlag 2013

In diesem Buch befindet sich eher ein Sammlung von kurzen Situationen, für die es keine eigenen Namen gibt, z.B. das Glück, neue Freunde gefunden zu haben, der Mut zur Lücke, die Angst einen geliebten Menschen zu verlieren, der Triumph den eigenen Ansprüchen genügt zu haben, die Dankbarkeit für die kleinen Freuden des Alltags.

Man kann darin stöbern und Gefühle entdecken, sie neu zusammensetzen und selber neue entwickeln. Dazu wird ausdrücklich aufgefordert.

Das Buch der Gefühle

von Tiffany Watt Smith

dtv, 2015

Das Buch enthält eine Einführung in die Geschichte von Emotionen, eingebettet in die Kulturgeschichte. Es werden Begriffe geklärt, damit man sie verstehen kann, eingeordnet in ihre Entstehungsgeschichte und Entwicklung, oft erläutert anhand kleiner Geschichten. Es ist eine Sammlung von 150 Gefühlen, ein Bestimmungsbuch, endend in einer Einleitung mit dem Satz "Was wir brauchen, sind nicht weniger Bezeichnungen für unsere Empfindungen sondern mehr.

Mein Bruder, die neuen und Ich

von Martha Heesen

Verlag Gerstenberg, Hildesheim 2017

Wie fühlen sich die leiblichen Geschwister in einer Familie, in die ständig neue Kinder in Übergangspflegesituationen kommen? Tonn und Jan erzählen aus ihren Erfahrungen mit den jeweiligen neuen Kindern und den Anforderungen, die ihre Eltern dadurch auch an sie stellen. Jedes neue Kind bringt eine andere Besonderheit mit, mit der alle leben müssen.

Es wir humorvoll geschildert, was dadurch auch für alle möglich wird, was in der Familie aber auch nicht mehr gelebt werden kann.

Auf einfühlsame Art werden viele Fragen an die herausfordernde Lebenssituation in diesen besonderen Familien aus Sicht der leiblichen Kinder gestellt.

Was alles war

von Annette Mingels, Roman

München 2017

Aus der Sicht einer erwachsenen Frau, Susa, erzählt das Buch die Geschichte einer Adoption, die Suche nach den leiblichen Eltern und die Begegnungen mit der Mutter. Die qualvolle Suche nach dem Vater muss beendet werden.

Neue Beziehungen zu Halbbrüdern werden geknüpft, die sich jeweils auf ihre Weise mit ihren Herkunftsgeschichten und dem denkwürdigen Leben der leiblichen Mutter auseinandersetzen. Susa gründet eine eigene Familie mit einem Mann, der nach dem Tod seiner Frau mit seinen beiden Töchtern alleine lebt.

Es ist ein verwirrendes aber spannendes Beziehungsgeflecht, das viele Auseinandersetzungen enthält, zu Fragen, denen sich jeder Mensch stellen muss:

Geht es um Gene oder Liebe? Was überwiegt? Wem kann man sich nicht entziehen? Was macht eigentlich Familie aus? Suche und Auseinandersetzungen mit diesen Fragen sind wichtig.

Tagebuch eines Möchtegernversagers

von Luc Blanvillon

Fischer KJB, 2017

Ein besonderer Bruder, ein hochbegabter Bruder ist für die Schwester eine Herausforderung: Nils sehnt sich nach Normalität, weg vom Lernen und Können, einfach mal so zu sein wie die anderen.

Die Eltern aber sehen nichts anderes, als die Hochbegabung und die Förderung. Beim Wechseln auf eine neue Schule täuscht er eine Minderbegabung vor. Er trifft auf Mona, die eine leichte Behinderung hat. Sie will ihm helfen. Nils versagt in anderen Bereichen als er sich vorgenommen hatte und muss sich ganz neu damit auseinandersetzen, was es heißt, Freunde zu haben.

Vermittlung des Wunsches nach Normalität und den Schwierigkeiten dazu zu gehören. Eine Auseinandersetzung mit der Hochbegabung als eine Form von Behinderung.

Das Glück - oder was immer auch passiert

von Jackie Lee Sommers

Roman, Dtv, München 2017

Eigentlich liest sich dieses Buch als Beziehungs- und Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die von ihrer Lebensgeschichte kaum unterschiedlicher sein könnten. Lynn ist die älteste, 17 Jahre, lebt in einer Pastorenfamilie. Der Vater widmet seine Zeit mehr seinem Beruf als seiner Familie.

Silas, 17 Jahr, kommt aus einer Forscherfamilie, die bisher in Alaska gelebt hat. Sie begegnen sich durch Lynns Vater und in einem gemeinsamen Job. Und natürlich kommt es unter Jugendlichen zu Gesprächen über Freundschaften, Eifersucht, Lebenswerte, zumal Sila sehr sehr der Literatur angetan ist. Auch die Frage nach der Existenz um das Wirken von Gott spielt dabei eine Rolle.

Vielleicht kann man das als Rahmenhandlung bezeichnen. Silas ist der Zwillingsbruder von Laurel, die an einer seltenen psychischen Krankheit leidet und immer wieder den Kontakt zur Realität verliert.  Er ist ihr äußerst verbunden und fühlt sich verantwortlich. Er ist aber auch am Ende seiner Kräfte, wenn sie wieder in einer Krise ist. Seine Eltern sind voll und ganz auf sie fokussiert.

Die Geschwisterauseinandersetzung spielt eine große Rolle, auch Lynn wird daran beteiligt. Als Laurel bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben kommt, verliert Silas den Boden unter den Füßen, kapselt sich ab, fühlt sich verantwortlich, kann sich das Leben kaum mehr vorstellen, eine Liebe schon gar nicht. Er verletzt die, die zu ihm stehen wollen. Doch irgendwann kann er sehen, dass auch er ein Lebensrecht hat ohne Laurel, dass er nicht versagt hat und glücklich sein darf.

Verantwortung, Schuld, eigenes Leben trotz Verpflichtung sind die wichtigen Themen dieses Buches.

Liebe wird aus Mut gemacht

von Catharina Junk

Verlag Rowolth, Hamburg 2017

Nach der Erkrankung an Leukämie ist es für Nina nicht einfach, wieder im Leben einen Platz zu finden, zu einer Normalität zurück zu kommen, die eine andere geworden ist. Zu Beziehungen zurückfinden, neue Beziehungen aufbauen, nicht zu vergessen, aber auch neue Möglichkeiten entdecken.

Die sorgenvollen Eltern und der mühsame Weg des jüngeren Bruders, der meint in einer Glaubensgemeinschaft Stärkung gefunden zu haben. Der auch die Frage stellt: "Was glaubst du wie es sich anfühlt, dass Kind ohne Krebs zu sein?" Nina setzt sich für ihn ein, dass er einen Weg findet, zu seiner eigenen Identität zu stehen und seinen Weg gehen zu können. Und auch Nina findet durch die Hartnäckigkeit eines Freundes in das Leben zurück.

Es geht um Leben und Tod und das Suchen nach einem neuen Weg mit den Erfahrungen und einer neuen Normalität leben zu lernen.

Geschwister von Kindern mit Autismus

Ein Praxishandbuch für Familienangehörige, Therapeuten und Pädagogen

von Inez Maus

Verlag Kohlhammer, Stuttgart 2017

Als Mutter eines autistischen Jungen und zwei weiteren Kindern beschreibt Inez Maus nicht nur ihr eigenes Familienleben mit vielen anschaulichen Beispielen. Sie versucht die autismusspezifischen Besonderheiten in Bezug zu den Geschwistern zu setzen, beschreibt wie sie unterstützt werden können, damit sie emotional gestärkt werden.

Sie plädiert für eine frühzeitige Intervention, entwickelt Vorstellungen für das spezielle Arbeiten mit Geschwistergruppen, damit auf das Verhalten von Geschwistern reagiert werden kann, es unter Umständen sogar korrigiert werden kann. Das Buch enthält viele Beispiele zur Gestaltung des Alltags und besonderer Ereignisse in der Familie. Im Bereich von Autismus klärt sie Fachbegriffe auf und positioniert sich klar in der Fachwelt.

Das Buch klärt viele Fragen zum Thema Autismus und Geschwister. Es ist ein Fachbuch mit einer klar definierten sicht einer Mutter.

Schweigen ist Goldfisch

von Annabel Pitcher

Verlag Sauländer, Frankfurt 2016

Ein Buch über Worte zu Gefühlen, für die es eigentlich keine Worte gibt, eine Wahrheit, die zum Schweigen führt und über viele Wege zu einer Lösung führt, die glücklich macht, obwohl Worte verletzen können.

Es geht um die Suche einer Jugendlichen nach ihrem "richtigen" Vater. Sie hat durch einen Unfall erfahren, dass ihr Vater gar nicht ihr Vater ist. Weil sie diese Wahrheit so sehr verletzt und sie darüber nicht sprechen kann, verliert sie ihre Stimme. Sie sucht sich schweigend im Dialog mit sich selbst, verliert Menschen auf ihrem Weg, der sie so unzugänglich macht. Sie lässt sich auf schwierige Erfahrungen ein und erfährt Unrecht. Sie ist verzweifelt und sucht einen Ausweg, findest sich selbst und Gespräche werden möglich, Gefühle bekommen einen Namen, auch wenn Worte kränken, Entwicklungsprozesse finden Klärungen.

Man muss sich auf dieses spannende Buch einlassen.

Es sind wichtige Mitteilungen über Gefühle im Zusammenhang mit Kindern, die in Familien aufwachsen, in denen ihr Vater ein Samenspender ist und die Annahme des Kindes dann für den Vater nicht so einfach ist, wie erwartet. Und über den Umgang mit "Geheimnissen" in einer Familie überhaupt.

Pferd, pferd, tiger, Tiger

von Nette, Eike Neerlin

Verlag Dressler, Hamburg 2017

In diesem Buch kommt so manches zusammen im Leben von Honey. Ihre Schwester bestimmt mit ihrer Behinderung, ihren "Ticks", das Leben in der Familie mit der Mutter. Der getrenntlebende Vater spielt eine eigenartige Rolle.

Das mitunter schwierige soziale Milieu wird in verschiedensten Facetten geschildert. Und dann auch noch eine Verwechslungen in einem Chinesisch-Kurs und im Altenheim eine besondere Freunschaft zu einem krebskranken Mann.

Die teils verwirrende, doch sehr anrührende Geschichte zeigt Verpflichtung von Geschwistern vielen Menschen gegenüber, die Bedeutung von kleinen Dingen und Symbolen.

Einblicke in verschiedene soziale Milieus, manchmal etwas verwirrend, Wahrnehmung von absoluten Verpflichtungen den Schwächeren gegenüber, Überwindung von Schwierigkeiten und dem Wunsch, dazu zu gehören.

Ich wollte nur, dass du noch weißt

Nie verschickte Briefe

von Emily Trunko & Lisa Congdon

Verlag Loewe 2017

 

Es geht um Briefe, die geschrieben und nicht verschickt wurden. Viele Briefe handeln von Gefühlen. Die Adressaten sind das eigene Ich, die Welt, es geht um Liebe, um Freunde, um die Familie, um Streit und Herzschmerz, um unerwiderte Liebe, um Verlust.

Die Adressaten bleiben anonym. Sie werden mitunter benannt wie "an junge Mütter", "meinen Exfreund", "große Schwester, kleiner Bruder", "Lieber E!".

Unter den hier veröffentlichten Briefen befinden sich bewegende Briefe an Schwestern und Brüder, auch an gestorbene Geschwister, ebenso an Geschwister, die man nie kennenlernen konnte.

Die Idee sich auf diese Weise auszudrücken ist das Angebot eines Blogs, der immer mehr Nutzer fand. Dear Mister Blank, dearmyblank.tumblr.com also ein Cyber-Sammelsurium.

Manche Menschen haben sich auch wieder gefunden, für alle, so heißt es, hat sich das Leben durch das Aufschreiben dessen, was innerlich bewegt und doch so oft so unaussprechbar bleibt, verändert. Es ist eine Gemeinschaft entstanden.

Aus einer Idee einer 15-jährigen wird eigentlich eine Bewegung, die viele erreicht. Die Möglichkeit, in dieser Form zu schreiben ist eine, die sich auch auf die Realität in Gruppen übertragen lässt.

Enno Anders

Löwenzahn im Asphalt

von Astrid Frank

Urachhaus 2017

Er heißt nicht nur Anders, er ist auch anders, Enno Anders.

Die Geschichte wird aus der Perspektive des 10-jährigen Jungen erzählt, dem die Aufgaben des Alltags nicht gelingen wollen, auch wenn er sich sehr darum bemüht. Den Tisch zu decken, sich anzuziehen - alles Herausforderungen! Seine Gedanken sind oft in einer Prallelwelt. In der Schulklasse fällt er auf, seine Mutter macht er ratlos, für seine große Schwester ist sein Verhalten oft peinlich, doch verteidigt sie in außerhalb der Familie ausnahmslos. Sein Vater steht immer verständnisvoll zu ihm, besonders auch dann, als die Lehrerin ihn auf besonderen Förderbedarf testen lassen will.

Sein Freund Olsen, ein hochbegabter Nachbarjunge, nimmt ihn in seinem Sosein bedingungslos an und versteht ihn in jeder Situation. Die beiden für andere etwas seltsamen Jungen haben eine besondere Form des Austausches miteinander entwickelt.

Es gibt sehr amüsante Beispiele für das Leben mit dem "Anders-sein" und eine überraschende Wende zu einer Anerkennung aller, die Zweifel an seiner "Normalität" hatten. Und letztendlich klären sich seine Alltagsschwierigkeiten, die eines hochsensiblen Jungen.

Aus der Perspektive eines Jungen erzählt, der nicht nur anders heißt, sich auch als anders empfindet und durch eine Freundschaft und den Einsatz eines Freundes alle dazu bringt, ihn so zu mögen, wie er ist.

David is different

von Wesley King

Verlag Maggelan, Bamberg 2017

Daniel ist seltsam, hat besondere Ticks, besondere Kenntnisse in manchen Schulfächern. Sport gehört nicht dazu. Dennoch spielt er Football, weil das für seinen Vater wichtig ist. Er hat einen älteren Bruder, für den er ein merkwürdiger Bruder ist und eine jüngere Schwester, mit der er manche seiner Gedanken und Ideen teilen kann.

Daniel leidet an einer Zwangsstörung. Er will auf keinen Fall auffallen, möglichst auch seine Ticks verbergen. Ein auch seltsames Mädchen in der Schule erkennt seine Eigenarten. Sie hat eine andere besondere Geschichte und er will helfen. Eine Beziehungsgeschichte beginnt, verläuft aber fast wie in einem Krimi.

Die Erzählung ist in ICH-Form geschrieben und enthält die wichtige Botschaft: Akzeptanz und Hoffnung sind wichtig, um gegen diese psychischen Erkrankungen anzukommen und zu wissen, dass man damit nicht alleine ist und Hilfe bekommen kann. Der Autor schreibt in seinem Nachwort von seinen persönlichen Erfahrungen im Jugendalter.

Ein Buch über besondere Menschen und über besondere Beziehungen, die Herausforderung unter anderen leben zu müssen und doch nie so sein können wie sie.

Paula-Paul-Tom-ans-Meer

von Gabi Kreslehner

Verlag Tyrolia, Innsbruck 2016

 

Eingebettet in eine Beziehungsgeschichte, sind das Besondere an diesem Buch die inneren Dialoge von Paula als Schwester eines Bruders, der ihr Leben schon lange bestimmt hat und bestimmt, obwohl er inzwischen in einem Heim lebt und die Besuche seltener werden. Konkreter Anlass ist jetzt der Geburtstag des Großvaters. Weil die Eltern keine Zeit haben, soll Paula Paul abholen, obwohl allen bewusst ist, dass allein die Fahrt mit der Bahn eine große Herausforderung, sogar Überforderung für Paula sein kann.

Auf der Hinfahrt "funkt" dann die Bahnbekanntschaft Tom dazwischen und es kommt manches anders als erwartet. Ein ungeplanter Aufenthalt am Meer, Schwierigkeiten mit Paul, die sich gemeinsam bewältigen lassen, die Auseinandersetzungen der Eltern mit der Situation, eine verständnisvolle Lehrerin. Auch die Lebenssituation von Tom ist besonders.

Am Ende gibt es manche Versöhnungen, vielleicht etwas klischeehaft, aber hervorragend geeignet für eigene Gedanken und Gespräche.


Viele Geschwisterthemen werden in inneren Dialogen oder auch in Gesprächen von Eltern deutlich.

Wie das Licht von einem erloschenen Stern

von Nicole Boyle Rodtnes

Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim-Basel, 2016


Eine Liebesgeschichte, eine Geschichte über Freundschaften, ein tragischer Unfall auf einem Klassenfest in einem Swimmingpool, die Geschichte eines Menschen, der in der Folge davon unter Aphasie leidet, die Suche nach einem Schuldigen, die Schwierigkeit zweier Schwestern mit diesem Unfall umzugehen, das Beziehungschaos der Anderen, Rückzüge und neue Annäherungen an Menschen, die ähnliches erleben (Selbsthilfegruppe).

Das "zufällige" Finden der Geschichte des Unfalls, die Schwester als Täterin und der Prozess des Verzeihens und Versöhnens, so dass beide wieder ihren Weg gehen können.

Eigentlich zu viele Themen - und doch genial miteinander verbunden. Viele brisante Themen von Jugendlichen werden angesprochen, eine komplexe und komplizierte Geschwisterbeziehung im Umgang mit der Frage von Schuld werden anschaulichst beschrieben.

Ein Roman, der fesselnd geschrieben ist, so steht es zurecht auf dem Cover.

Ein Buch zur Auseinandersetzung mit Fragen von Beteiligung, Anteilnahme, Ursachensuche, Umgang mit Schuld, Geschwisterkonflikten und Versöhnung.

Beschreibung einer komplizierten Geschwisterbeziehung, die auf jedem Büchertisch in Angeboten für Geschwister liegen sollte.

Was WÜRDEst du tun?

Karin Gruß & Tobias Krejtschi

Minedition 2016


In eindrucksvollen und dennnoch einfachen, sofort verständlichen Illustrationen werden Situationen aus dem Alltag geschildert, die auf einen würdevollen Umgang miteinander aufmerksam machen. Und immer wird dieselbe Frage gestellt: Was WÜRDE helfen? Was WÜRDEst du tun?

Das Buch ist als Gesprächseinstieg für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geeignet. Die Situationen können leicht erweitert und in die eigene Realität gebracht werden.

Ein Buch, das auch viele Situationen im Leben von Geschwistern von Kindern mit Behinderungen, Beeinträchtigungen, chronischen und lebensverkürzenden Erkrankungen betreffen kann.

Mein Herz wird dich finden

Jessi Kirby

Verlag Sauerländer 2016

Roman

Aus der Sicht der Freundin von Jakob, eines jungen Unfallopfers, wird die Komplexität der Fragestellungen beschrieben, wenn Menschen aus dem Umkreis von Organspender und Organempfänger sich begegnen. Es gibt eine gesetzlich geregelte Schutzzeit, bis überhaupt zu Organempfängern Kontakt aufgenommen werden darf. Manche Organempfänger reagieren, andere nicht. Begegnungen werden ausgeschlossen oder bewusst herbeigeführt.

Der Empfänger des Herzens von Jakob meldet sich nicht zurück. Seine Schwester hat die Information per Blog über die Entwicklungen von Noah nach der Transplantation übernommen. Mia, Jakobs Freundin, hat das alles aufgenommen. Sie möchte Noah wenigstens sehen, beobachten. Doch aus dem Zuschauen im Hintergrund wird eine Begegnung. Gefühle werden geweckt. Mia verliebt sich, obwohl sie weiß, dass sie das weder darf noch will. Noah weiß nicht, wer sie ist. Es beginnt eine aufregende Zeit voller Abenteuer, die beide aus der Zeit der Trauer und der Krankheit ins erfüllende Leben zurück bringt.

Auf verschiedenen Ebenen wird die Frage der Offenheit im Umgang mit der Tatsache der Transplantation für den Leser miterlebt. Dabei spielen jeweils die Schwestern der Protagonisten eine wichtige Rolle.

Es kommt zu Komplikationen, auch gesundheitlichen, die Noahs Leben gefährden.

Doch der Kampf um das Leben wird noch einmal gewonnen, die Liebe der beiden bleibt bestehen.

Ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit Spenderorganen und dem Kontakt zwischen den Familien der Spender, die einen Menschen verloren haben und den Familien, in denen ein Mitglied dadurch das Leben behalten konnte.

Bruderheld und Schwesterherz

Geschwister als Ressource

von Ines Brock

Dieses Fachbuch enthält Artikel verschiedener Autoren aus den Bereichen der Psychologie und Pädagogik, Forschung, Bildung und Therapie, zu unterschiedlichen Aspekten von Geschwisterbeziehungen. Das Spektrum ist breit gespannt: Geschwisterbeziehungen in Trennungs-, Stief- und Patchworkfamilien, Zwillinge und Mehrlinge, Geschwister in riskanten Familienkonstellationen, Geschwister, die mit besonderen Herausforderungen leben wie Geschwister chronisch erkrankter Kinder, Geschwister verstorbener Kinder oder Geschwister in kinderreichen Familien.

Wichtig ist auch der Teil, der sich den Bedingungen von Geschwister in Institutionen widmet, z.b. Kindertagesstätten, Schulen, Heimen, Pflegefamilien. Auch das Entstehen von „Lieblings- und Schattenkindern“ in den ja nicht wählbaren Geschwisterbeziehungen wird beachtet.In allen Artikeln  werden die theoretischen Aspekte mit Beispielen aus der Praxis belegt und erläutert. Das macht das Buch für die Praxis in der Beratung ausgesprochen wertvoll.

In diesem Fachbuch werden viele Aspekte einer „normalen“ und „besonderen“ Geschwisterkonstellationen fachlich erklärt und durch Beispiele belegt, was zu einer Einordnung eigenen Erlebens beitragen kann.

Der König bin ICH

von Hugo Horiot

Aus Julien wird Hugo. Vom Ende der Einsamkeit, die Geschichte einer Selbstfindung. Erzählt von einem Menschen, der mit einem Asperger-Autismus leben muss, auch für seine Schwestern, seine Eltern, denen er sich erklären möchte. Aus seiner Sicht, aus seinem Verständnis der Welt, mit seinen Erfahrungen erzählt er seinen Werdegang, seine Begegnungen mit Menschen.

Um in der Welt um sich herum einen Weg zu finden, gibt er sich einen neuen Namen, versucht sich anzupassen, scheitert dennoch am Unverständnis der anderen. Aus dem nicht sprechenden Kind wird ein sprechendes und kommunizierendes Kind, obwohl er radikal anders bleibt und die Welt der anderen ihm fremd bleibt. In seinen Schilderungen der Begegnungen z.b. in der Schule, während der Busfahrten ist er scharf in seinen Beobachtungen und Worten. Diese Welt lehnt er zutiefst ab. Da die Familie immer hinter ihm steht, findet er in der Welt des Schauspiels seinen Platz, seinen Platz zu einem selbstbestimmten Leben.

Schilderung des Kampfes eines Menschen  mit Asperger- Autismus um seine Akzeptanz in der Welt. Das Kind, das er war, bekommt mit dem Buch, durch das Buch eine literarische Stimme. Ein Weg der Befreiung in ein doch selbstbestimmtes Leben.

Die seltsame Reise mit meinem Bruder

Der Titel des Romans könnte auch heißen „Die Reise mit meinem seltsamen Bruder". Die Geschichte einer besonderen Geschwisterbeziehung, die von Annäherung, Akzeptanz  und Eigenwilligkeit erzählt.

Die um 10 Jahre jüngere Schwester Nelly soll die erkrankte Mutter auf einer dem Bruder versprochenen Reise - Anlass ist eine Hochzeit eines Verwandten - vertreten. Ihr Bruder ist der 45-jährige Autist Nils. Nelly ist längst aus dem Elternhaus ausgezogen, lebt frei und unabhängig und verdient sich ihren Lebensunterhalt mit einem Foodtruck. (Verschiedene Rezepte werden pro Kapitel im Buch am Rande sozusagen mitgeliefert).

Nelly übernimmt "die Vertretung" und muss sich wieder neu auf die „Ticks“ ihres Bruders einstellen, damit das „Unternehmen Reise“ gelingen kann.  Ihre Auseinandersetzung mit den Besonderheiten des Bruders werden einfühlsam mit vielen Facetten aus ihrer gemeinsamen Lebensgeschichte geschildert. Sie trifft in England, dem Reiseziel, auf den eigenwilligen Pubbesitzer Gerald, auch Koch bei der Familienfeier. Sie unterstützt ihn bei einer Panne in der Küche auf ihre besondere, eigenwillig kreative Weise. Gerald interessiert sich für Nils und nimmt ihn an so wie er ist, stellt sich auf ihn ein. Später erfährt Nelly, dass auch er eine behinderte Schwester hatte. Eine Annäherung beginnt, Nils wird immer mit einbezogen, ganz selbstverständlich.

 

Die seltsame Reise mit meinem Bruder

Renee Karthee

Verlag Ullstein, Juli 2015

ISBN: 9783548285177

 

 

Dich hatte ich mir anders vorgestellt

Von Fabien Toulme

Eine aufrichtige und ehrliche Schilderung einer Familie, die sich mit einem besonderen Kind auseinandersetzen muss.

Der Autor, ein Graphiker, schildert in ansprechenden Zeichnungen und Worten seine Geschichte in allen Phasen der Erwartung eines zweiten Kindes, einschließlich der Angst vor einer möglichen Behinderung eines Kindes. Er beschreibt seinen Weg von der Ablehnung und Verzweiflung zur bedingungslosen Akzeptanz seiner Tochter mit Down-Syndrom. Dabei lässt er kaum eine Auseinandersetzung aus. Der Leser erfährt von der Reaktion unterschiedlicher Ärzte, der Öffentlichkeit in verschiedenen Ländern und verschiedenen Milieus einer Stadt. Einbezogen werden auch die teils hilflosen Reaktionen von Kollegen und die Unterstützung von Großeltern und Freunden sowie von Selbsthilfegruppen. Auch das Verhalten des älteren Geschwisterkindes ist Thema und die Frage der Eltern, wann das Kind Informationen über die Behinderung bekommen soll.

3 Kinder und ein Tag

Von Tanja Szekessy

In ansprechenden Zeichnungen und treffenden Worten wird der Alltag - ein Tag von morgens bis abends - von 3 Geschwistern  beschrieben. Sie reagieren je in ihrem eigenen Tempo und mit ihren Möglichkeiten. Geschildert werden Alltagssituationen: Aufstehen, Essen, zur Schule gehen, spielen, Quatsch und Streit. Die Persönlichkeit eines jeden Kindes wird bewusst heraus gearbeitet. Die Erwachsenen reagieren anders auf jedes Kind.

Das ausgezeichnete Bilderbuch regt zu genauem Beobachten an. Unausgesprochen ist es ebenso ein Hinweis auf die Unterschiedlichkeit von Kindern bei gleicher Behandlung. Eine gute Anregung, sich mal den Alltag mit einem behinderten Kind von Geschwistern und Eltern schildern zu lassen.

Am Ende des Alphabets

Von Fleur Beale

 

Wessen Name mit Y beginnt, steht eben am Ende der Anwesenheitsliste in der Klassenliste der Namen. Wer dann zusätzlich noch eine Leseschwäche hat, für den bleibt das Alphabet ein nicht zu lösendes Rätsel. Das Alphabet wird zum Schicksal.

Die Protagonistin, aus deren Sichtweise die Geschichte erzählt wird ist die 15-jährige Ruby. Sie verfügt über viele lebenspraktische Fähigkeiten, die besonders in dieser Familie gefragt sind: 4 Kinder (von 2 Vätern) und das mit berufstätigen Eltern. Da fällt viel im Haushalt und bei der Betreuung der kleinen Brüder  an. Das alles übernimmt sie, während der schulisch sehr begabte ältere Bruder Max sich aus allem heraushält bzw. sich mit der Duldung der Mutter heraushalten darf.

Die dadurch entstehende Geschwisterrivalität wird in vielen Facetten des Alltagslebens beschrieben. Verständnisvolle Mitschülerinnen und eine befreundete Familie geben Ruby so viel Mut, dass sie nicht an sich verzweifelt, sondern einen Kampf um ihren Selbstwert beginnt und „gewinnt“, auch in der Familie.

Glücklich für Anfänger

Von Susin Nielsen

Sie werden wider Willen Geschwister. Der Vater von Stewart, hochbegabt, seltsam, möglicherweise autistisch, geht nach dem Tod der Mutter an Krebs eine neue Beziehung mit der Mutter von Ashley ein, die von ihrem Vater verlassen wurde, weil er eine homosexuelle Beziehung eingegangen ist. Für Ashley sind die sozialen Beziehungen in der Schule wichtig, sie möchte in der Rangordnung, Hackordnung oben stehen. Sie hat Angst um ihren sozialen Status, wenn Stewart in  ihre Schule kommt. Mit seinen eigensinnigen  Verhaltensweisen fällt er überall auf, wird eingesetzt und ausgenutzt, ohne dass er es selbst bemerkt. Da Stewart auch die Trauer um seine Mutter auf besondere Weise lebt, ist von Ashley eine große Toleranz gefragt.

Stewart geht seinen Weg und ist für das emotionale Dilemma wenig empfänglich. Weil er eigentlich immer positiv denkt, kommt es zu Klärungen von Beziehungen. Er rettet eine gefährliche Situation für alle. Und allmählich können sich die „ungewollten“ Geschwister mit ihrer neuen Familie identifizieren.

So bin ich und wie bist du?

Ein Buch über Toleranz

von Pernilla Stalfelt

"Toleranz = Die Fähigkeit zuzuhören, gerecht zu sein, sich mit den Besonderheiten der anderen abzufinden und ihre Art, sich zu benehmen, zu ertragen." Dieses Zitat ist der Tenor des illustrierten Buches mit Zeichnungen verschiedener Menschen und Tieren, Gedanken und Fragen dazu. Es geht um Lebensstile, Bauweisen, Kulturen und Religionen, Sprachen, Kleidung.

Fragen zu Vorurteilen werden spannend dargestellt, das eigene Ich und das Wir von Menschen miteinander in Beziehung gebracht.

Alle da! Unser kunterbuntes Leben

Von Anja Tuckermann und Frida Schulz

Ein äußerst spannendes und unterhaltsames Buch über das reiche Zusammenleben mit Menschen aus verschiedenen Nationen, Kulturen und Religionen. In Zeichnungen, oft aber auch in Form von einem Frage-Antwortspiel über Herkunft, Feste, Sprachen, etc. werden Kenntnisse über verschiedene Lebensweisen vermittelt.

Und die Vielfalt der Familien kommt zum Ausdruck: Manche Kinder sind neu in Deutschland, andere hier schon geboren. Das Buch regt an über unterschiedliche Kulturen, Rituale unseren Umgang miteinander nachzudenken.

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spass

Christoph Wortberg

 

Der ältere Bruder von Lenny, Jakob, stirbt bei einem Bergunfall. Hat er sich entschieden zu sterben? In der Familie geht jeder anders mit dieser offenen Frage um, trauert jeder für sich und auf eine ganz eigene Weise. Lenny sucht unermüdlich nach einer Antwort. Jakob erscheint ihm im Traum.

Vielleicht ist es besser, gewisse Fragen nicht zu stellen“, sagt Jakob. Warum?, erwidere ich. Weil die Antworten wehtun? Weil es nicht so einfach ist, sagt er, und weil nicht jede Antwort auch eine Erklärung ist. (Seite 57)

Er will durch Freunde seines Bruders besser verstehen, wer der Bruder war. Er sucht alle Freunde auf, die er finden kann. Die Schwester seines besten Freundes, ein Mädchen mit DS, gibt ihm das Schlüsselwort zum PC des Bruders. Die Suche nach einer Erklärung geht weiter.

Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb

Furniss, Clare

 

Die Mutter stirbt plötzlich bei der Geburt der kleinen Stiefschwester und lässt ihre 15-jährige Tochter, den Stiefvater und das Baby zurück in der Welt, die für alle stehen zu bleiben scheint.

Schonungslos, aber einfühlsam und packend werden all die Auseinandersetzungen beschrieben, die die 15-jährige Pearl mit sich und anderen führt. Sie kann die kleine Schwester, die ihr die Mutter genommen hat nicht akzeptieren. Es fällt ihr schwer, das zu tun, was notwendig wäre, um das Zusammenleben mit dem Stiefvater zu ermöglichen und es für alle lebenswert  zu machen.

Gefühle wie Trauer, Wut und auch Hilflosigkeit entstehen auf vielen Ebenen. Den Weg ins Leben findet sie nach einer langen Zeit zurück und auch eine Möglichkeit die kleine Schwester willkommen zu heißen.

Einfach Sontje

Fotos von Maria Irl und Charlotte Sattler/ Texte von Michaela Hilgner

 

Ein Bilderbuch über das Leben mit einer kleinen Schwester mit Down-Syndrom. Die Texte sind  entstanden unter Mitwirkung der älteren 13-jährigen Schwester, aus deren Sicht das Familienleben beschrieben wird. Die Fotografinnen haben ein Jahr lang die Familie mit 4 Kindern begleitet und unterschiedlichste Phasen im Leben mit der jüngsten Schwester Sontje fest gehalten: Alltagssituationen, Lernsituationen, Ferienaufenthalte, Feste, etc. Antonia ist das älteste Kind, die Brüder Elias und Kilian folgen vor Sontje. Und jeder entwickelt eine eigene Beziehung zu ihr, von deren Geburt alle vorher gewusst haben. Es ist eine ausschließlich positive und schöne Beobachtung der Entwicklung eines Kindes mit Down-Syndrom in einer großen Familie. Es soll darüber hinaus Fragen zum Down-Syndrom beantworten, Vorurteile aus dem Weg räumen, Verständnis wecken. Durch die wundervollen Aufnahmen ist es eine wahre Bilderbuchgeschichte.

Als ich meine Eltern verließ

von Michel Rostain

 

Lion stirbt plötzlich nach kurzer Krankheit mit 21 Jahren. Für die Eltern bricht die Welt zusammen. Es ist viel zu regeln. Es stellen sich viele zu bewältigende Fragen, Fragen zur Familie immer wieder neu. Manche werden handelnd beantwortet. Der Vater ist der Autor des Buches und beschreibt sein Tun, aber eigentlich spricht der Sohn.

Die sehr unterschiedlichen Trauererfahrungen, die Trauerarbeit der Eltern werden in Worte von Linon beschrieben, kommentiert. Es ist ein Bekenntnis zum Leben, das dann auch Erinnerungen an Linon zulässt, die durch die Trauer tragen, das Leben neu bejahen lässt.

Im Aufbau diesen Buches gibt es Parallelen zu dem Buch „Adieu Benjamin“ von Willy Schuyesmans, ars edition München 1997, ein Kinderbuch, das aus der Sicht des gestorbenen Kindes die Phasen der Trauer der Eltern und Angehörigen beschreibt.

Solange du bei uns bist

von Jodi Picoult

 

Der Roman von Jodi Picoult nimmt mehrere aktuelle gesellschaftliche Themen auf. Die Geschichte wird auf unterschiedlichen Ebenen erzählt, es werden verschiedene Perspektiven miteinander verknüpft. Der Vater liegt nach einem Unfall im Koma. Wie lange soll er noch in diesem Zustand bleiben oder werden die lebenserhaltenden Apparate ausgestellt, um die Organe spenden zu können?

Die Kinder, die Geschwister Edward und Cara, setzen sich vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebensgeschichte mit dem Vater mit der Entscheidung auseinander und kommen zu unterschiedlichen Standpunkten...Wer wird entscheiden? Cara, die mit dem Vater zusammen gelebt hat, und auf ein Wunder hofft? Der ältere Bruder Edward, der die Familie verlassen hat, und aufgrund dieser Situation aus Thailand zurück kommen muss?

Es geht um familiäre Verstrickungen, um Wertvorstellungen, auch vor dem Hintergrund, dass der Vater ein bekannter Wolfforscher ist, der auf Zeit mit Wölfen zusammen gelebt hat. Die Verhaltensweisen und Rollenverteilungen innerhalb eines Rudels von Wölfen werden ausführlich beschrieben und in Beziehung zu menschlichen Verhaltensweisen gebracht.

Zwischen Winter und Himmel

Von Elin Bengtsein

Wie lebt man mit einem Bruder, der bald sterben wird? Wie lebt ein Bruder, der weiß, dass er bald stirbt? Was haben sich Geschwister in einer solchen Situation zu sagen?

Im Buch wird die jeweilige Perspektive der Brüder geschildert. Es spricht, denkt, handelt jeweils einer. Und es gibt lange Zeit keine Möglichkeit der Verständigung, des Austausches von Gedanken, wenngleich beide den Wunsch haben miteinander zu sprechen, etwas gemeinsam zu erleben.

Die Eltern achten sehr auf den Sohn, der sterben wird, schreiben dem anderen aber nichts vor. Sie leben alle nebeneinander her. Jeder rettet sich irgendwie, der eine in sein Zimmer, der andere in seine Musik. Neid, Eifersucht, Liebe, Angst- alle Gefühle spielen eine Rolle.

Jeder ringt mit sich. Es kommt die Zeit für die ersehnte Aussprache, für die es kaum einen Anfang geben konnte. Der Bruder verwirklicht noch das, was er unbedingt tun wollte. Sie sind alle beieinander, als der Bruder stirbt.

Was darf ich für mich haben, auch wenn mein Bruder gestorben ist? Der Bruder lebt weiter mit dieser Frage und in besonderer Verbundenheit mit einem Menschen, der seinen Bruder begleitet hat. Das Buch berichtet von einer außergewöhnlichen Zeit einer Geschwisterbeziehung.

So wie Du und ich. Cubas fantastische Reise zu den Seltenen Krankheiten dieser Welt

von Dr. Frank Grossmann

 

Das Buch beschreibt verständlich für Kinder viele seltene Krankheiten in Form einer Comic-Reisegeschichte eines Hundes rund um die Welt. Die Erklärungen sind feinfühlig und humorvoll, regen an zum Weiterlesen. Am Ende des Buches folgt eine kurze sachliche Zusammenstellung der beschriebenen Krankheiten.

Das Buch ist drei Kindern gewidmet, die an einer dieser Krankheiten litten. So bekommen die oft äußerlich nicht erkennbaren Krankheiten stellvertretend noch ein reales Gesicht.

Ich hab jetzt die gleiche Frisur wie Opa

Wie kranke Kinder und Jugendliche das Leben sehen

Von Kathrin Feldhaus & Margarete Mehring-Fuchs

 

Gedanken zum Leben werden von Kindern und Jugendlichen in kurzen Texten, Briefen oder auch Zeichnungen beschrieben. Daraus ergeben sich wichtige Fragen  an das Leben dieser betroffenen Kinder und Jugendlichen, die besonders gekennzeichnet sind. Die Erkrankung des Schreibenden und ihrer Schicksale werden benannt. Die Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen, ihre Einsichten in Leben und Sterben, ihre Klarheit bewegen und berühren den Leser.

Wenn man das Buch aufmerksam liest, findet man auch Gedanken über die gesunden Geschwister die aufmerksam machen  und Anlass sein können mit Geschwistern darüber zu sprechen. Auf jeden Fall sind wichtige Hinweise für Fachleute enthalten, welche Fragenstellungen Geschwister miteinander bewegen könnten ohne ausgesprochen zu werden

Ich finde nicht die richtigen Worte

von Marlies Winkelheide

 

In diesem Band schreibt die Autorin von ihren Erfah­rungen in der Begleitung von Geschwistern, ver­sucht, uns immer wieder neu zum Fragen und zum Beobachten zu animieren, uns immer neu ins Gespräch mit den Geschwistern zu führen. Dabei spricht sie auch von Janusz Korczak, auf dessen Aussagen und Beobachtungen sie zusammen mit ihren Mitarbeitern die Arbeit fundiert. „Ich bin umgeben von Worten, höre Menschen zu, nehme Worte und Sätze auf. Manchmal geht das so schnell, dass ich Tage und länger brauche, um zu verstehen, was mir mitgeteilt wurde, mir und dem Gegenüber die Zusammenhänge zu erschließen, Fragen formulieren zu können.“

Zu Marlies Winkelheide:

Dipl. Sozialwissenschaftlerin, Jahrgang 1948, seit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Begleitung von Geschwisterkindern, für die sie gemeinsam mit Charlotte Knees Angebotsformen entwickelt hat. Sie arbeitet seit ihrer Pensionierung freiberuflich, setzt u. a. mit der Janusz-Korczak-Geschwisterbücherei in Lilienthal immer wieder neue wichtige Akzente in der Arbeit mit Geschwistern.

Geschwisterbeziehung und seelische Erkrankung

Von Dorothee Adam-Lauterbach

 

Anhand von Fallbeispielen werden von der Autorin unterschiedliche Geschwisterdynamiken geschildert: heftige Konfliktsituationen, Intensität von Bindungen oder Distanzen, Beziehungsabbrüche. Die Beispiele kommen aus der psychoanalytischen-psychotherapeutischen Praxis. Sie vermitteln allen, die Geschwister begleiten, Einsichten in die Komplexität von Geschwistererfahrungen. Sie machen auf Fragen und mögliche Zusammenhänge aufmerksam, die zu überdenken sind, auch wenn sie sich nicht ausdrücklich auf Geschwister von Menschen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen beziehen.

An guten Tagen fahren wir rückwärts

Von Alex Shearer

 

Die Geschichte des Buches erzählt von der Beziehung der zwei Brüder Louis und Alex. Louis, immer ein Vorbild von Alex gewesen, leidet an einem nicht zu heilenden Tumor im Kopf. Alex zieht zu ihm und ist nun derjenige an seiner Seite, der für ihn und mit ihm kämpft. Die Beziehung und die Perspektiven ändern sich. Zwei Brüder auf ihrer letzten gemeinsamen Reise.

Der Schatten meines Bruders

Von Tom Avery

 

Das Buch erzählt die Geschichte von Kaia, Schwester des verstorbenen Bruders Moses. Sie ist in der Vergangenheit „festgefroren“ wie sie es selbst beschreibt. Bis in der Umgebung ein seltsamer, stummer Junge auftaucht, mit dem nur sie eine Beziehung aufnehmen kann und dadurch in der Lage ist, ihre Gefühle zu sortieren. Das ermöglicht ihr den Anfang eines neuen Lebens, in dem sie auch die schweren und offen bleibenden Fragen in der  Geschichte ihrer Vergangenheit mit ihrer Mutter bewältigen kann.

Die Wahrheit über Ivy

Von Kathy Stinson

 

Das Buch ist ausgesprochen spannend und mutig, stellt sich Fragen, die oft verschwiegen werden. Als Ich- Erzähler berichtet David, der ältere Bruder der 11-jährigen Ivy, die mit einer schwersten Mehrfachbehinderung leben muss, von seinem Alltag, seiner Beziehung zu Ivy, seinen Aufgaben in der Familie, seinen Gefühlen mit allen Ambivalenzen, seiner Scham und seiner Eifersucht auf Zuwendung.

Ivy hat einen tödlichen „Badeunfall“. Die zerreißende Auseinandersetzung in der Familie in der Zeit danach, die Frage nach der Verantwortung für diesen „Unfall“ (einen schweren epileptischen Anfall), bei dem der Vater dabei war, die Beziehungskrisen sind schonungslos geschildert, bis hin zur offenen Frage der Schuld, die andere klären müssen.

Schattenspringer

Wie es ist, anders zu sein, von Daniela Schreiter

Eine Autistin zeichnet ihre Alltagserlebnisse in Form eines Tagebuches. Für jedes Lesealter sind Informationen über das Erleben der Welt eines Menschen mit Asperger-Autismus auf einprägsame und unterhaltende und gleichzeitig informierende Weise enthalten.

Schwarzweiß hat viele Farben

Von Kathryn Erskine

 

Der Roman erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Trauerbewältigung eines autistischen Mädchens, dessen Bruder umgekommen ist. Er war ihr Vorbild für Reaktionen und Verhalten in vielen Lebenssituationen, mit denen sie sich nicht auskannte. Sie findet mit Unterstützung einen Weg, auch für den traurigen Vater (die Mutter ist gestorben) ihre Welt anders und neu zu gestalten.

Der Anfang von Danach

Von Jennifer Castle

 

Ein bewegendes Buch über ein Mädchen, dessen Eltern und jüngerer Bruder bei einem Verkehrsunfall umgekommen sind. Der Unfallfahrer, Vater eines Freundes, überlebt schwerst verletzt. Dessen Sohn, ihr Freund, muss sein Leben ebenso neu bewältigen wie sie.

Fragen wie Schuld, Umgang von anderen mit „Überlebenden“, Bewältigungsformen von Trauer, Entwicklungen von Freundschaften, Umgang mit schwerster Krankheit, Schaffen von Erinnerungen sind in die Erzählungen gepackt.

Das Leben teilt sich ein in ein Davor und Danach.

Lotta Wundertüte

Unser Leben mit Bobbycar und Rollstuhl

Von Roth, Sandra 

 

Die Schilderung des  Lebens einer Familie mit einem schwerbehinderten Kind und einem Geschwisterkind gibt Einblick in Gefühle und Fragen in unterschiedlichsten Lebenssituationen. Für aktuelle Fragen der Gesellschaftspolitik (Inklusion, Pränataldiagnostik) werden hier Hinweise auf Antworten gefunden.

Essen Tote Erdbeerkuchen?

Von Rosemarie Eichinger

 

Eine ungewöhnliche Geschichte über das Zurückfinden ins Leben eines Jungen, dessen Zwillingsbrüder plötzlich und unerwartet gestorben ist. Emma, die Tochter eines Totengräbers, die nahe des Friedhofs lebt, eher in der Schule als sonderbar gilt, zeigt Peter neue Wege auf.

Wie ich zum besten Schlagzeuger der Welt wurde – und warum

Von Jordan Sonnenblick

„Ich dachte immer, einen Bruder zu haben, sei das Schlimmste auf der Welt. Aber jetzt weiß ich, keinen zu haben wäre schlimmer.“ (S. 204)

Das Buch schildert aus der Sicht des älteren Bruders die Krebserkrankungen des jüngeren Bruders mit allen Herausforderungen an das Leben der Familie. Die Gefühle des Geschwisterkindes, das Mitleiden, das Schweigen in der Familie, das Nicht-Verstandensein in der Schule sowie die immer wieder selbstverständlich eingeforderte Rücksichtnahme werden in einer spannenden Rahmenhandlung beschrieben.

Planet Willi

Von Birte Müller

 

Mit dem Mittel der Beschreibung von verschiedenen Welten geht die Autorin einfühlsam auf das Leben von Willi, einem Kind mit Behinderung, sowie auf die Begegnungen mit der gesamten Familie und der Öffentlichkeit ein.

Im bunt illustrierten Bilderbuch schafft sie Verständigungsbrücken für ein gutes Miteinander. Birte Müller weiß, wovon sie berichtet, denn sie ist Mutter eines Kindes mit Trisomie 21 und eines jüngeren Geschwisterkindes. Das Buch sollte in jeder Bibliothek stehen.

„Ich liebe dich nicht, aber ich möchte es mal können.“

Von Tessa Korber

 

Das Buch schildert schonungslos die Auseinandersetzung mit einem autistischen Kind aus der Sicht seiner Mutter. Tessa Korber beschreibt ihre eigene Geschichte und  geht auf alle Herausforderungen ein, die das Zusammenleben mit ihrem autistischen Kind von sämtlichen Familienmitgliedern fordert.

Dabei stellt sie auch die Sichtweise ihres älteren Sohnes dar, der auf seine ganz besondere Weise mit der Erkrankung des Bruders und den Veränderungen innerhalb der Familie umgeht. Das Buch ist aus vielen Perspektiven gewinnbringend zu lesen.

Mehr zu Marlies Winkelheide finden Sie unter:

Janusz-Korczak-Geschwisterbücherei

Geschwisterkinder.de

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