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Fachtagung 2013

15./16. März 2013 in Nürnberg

„Gemeinsam für Geschwister – Förderung von Lebenskompetenzen und Prävention“

3. Fachtagung „Gemeinsam für Geschwister” setzt neue Impulse in der Förderung von Lebenskompetenzen von Geschwistern

  • Positives Familienklima und Stressbewältigungskompetenz sind wichtige Voraussetzungen für Prävention
  • Brennpunkt Inklusion und ihre Bedeutung für Geschwisterkinder
  • Förderpreis FamilienBande 2013 an vier Einrichtungen vergeben

Nürnberg, 17. März 2013. Geschwisterkinder stärken und ihre Ressourcen fördern, damit ihnen ihr Leben besser gelingt – darauf lag der Schwerpunkt bei der diesjährigen Fachtagung der Novartis Stiftung FamilienBande, die vom 14. Bis 16. März in Nürnberg stattfand, und zu der über 120 Experten aus Deutschland und Österreich angereist waren. Für die ca. zwei Millionen Geschwister behinderter und schwer chronisch kranker Kinder, die aufgrund ihrer besonderen Lebenssituation vermehrten Belastungen ausgesetzt sind, ist die Stärkung der Lebenskompetenz ein wichtiger Bestandteil primärpräventiver Programme.

In sieben Plenarvorträgen und acht praxisorientierten Workshops stellten Experten aus Wissenschaft und Praxis ihre Forschungsergebnisse und Praxiserkenntnisse vor. – Die Fachtagung ist die größte ihrer Art im deutschsprachigen Raum.

120 Experten aus Deutschland und Österreich waren nach Nürnberg gereist, um sich in zahlreichen Vorträgen und Workshops auf der 3. FamilienBande Fachtagung über die aktuellsten Forschungsergebnisse und Praxiserkenntnisse in der Geschwisterkinder-Begleitung auszutauschen.

Schutzfaktor "Familienklima"

Die familiäre Situation ist der Schlüssel zu möglichen Belastungen. Dies kam sowohl bei den Vorträgen zur Forschung als auch bei den Praxisbeispielen klar zum Ausdruck. In der BELLA-Studie1 beispielsweise wurden in einer für Deutschland repräsentativen Stichprobe 2.863 Kinder und Jugendliche (7–17 Jahre) zu Prävalenzen und Determinanten (biologisch/personal, familiär, sozial) für psychische Auffälligkeiten befragt. Insgesamt zeigen 21,9 % aller Kinder und Jugendlichen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Je schlechter der sozioökonomische Status einer Familie, desto häufiger kommt es vor, dass die Kinder unter psychischen Störungen leiden. Auch Familienkonflikte und eine hohe elterliche Belastung sind signifikante Risikofaktoren. Schutzfaktoren, wie beispielsweise ein positives Familienklima, verminderten insbesondere bei mittlerem Risiko die Wahrscheinlichkeit, psychisch auffällig zu werden. Seit 2003 hat die BELLA-Studie drei Befragungswellen durchlaufen, die Daten für den vierten Befragungszeitpunkt werden gerade erhoben.

Gute Stressbewältigungskompetenz im Hinblick auf schulische und soziale Belastungen

Um die Forschungslücke in Bezug auf effektive primärpräventive Interventionsprogramme für Geschwisterkinder zu schließen, hat das Institut für Sozialmedizin in der Pädiatrie Augsburg (ISPA) in Zusammenarbeit mit der Universität Flensburg und durch die Unterstützung der Stiftung FamilienBande einen primärpräventiven Kurs mit Fokus auf Stärkung der Stressbewältigung und Sozialkompetenz entwickelt: Supporting Siblings (SuSi).

In einem sechswöchigen Training sowie in einem Ferien-Kompaktkurs wurde SuSi erprobt und evaluiert. Prof. Dr. Petra Hampel von der Universität Flensburg stellte die ersten Ergebnisse vor, nach denen die Intervention bei den Kindern eine deutlich verbesserte Stress-bewältigungskompetenz zeigt.

Das ISPA entwickelte außerdem in Zusammenarbeit mit der Stiftung FamilienBande eine übertragbare und nachhaltige Geschwisterbegleitung, die in Augsburg unter dem Namen GeschwisterCLUB erprobt und teilweise auch schon evaluiert wurde. Mit dem GeschwisterCLUB gewann das ISPA den Bayerischen Gesundheitspreis 2012 in der Kategorie „Auch als Angehöriger gut betreut”.

Dotiert mit einer Gesamtsumme von 10.000 Euro, wurde der 3. FamilienBande Förderpreis für herausragende Projekte in der Geschwisterkinder-Begleitung an vier engagierte Projekte und erfolgreiche Einrichtungen vergeben.

 

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„Gleichwertigkeit, Anerkennung, Achtung” – eine Botschaft der Geschwister selbst

Bei der Tagung kamen auch 5 Geschwisterkinder als Experten in eigener Sache zu Wort. Tom, Pauline, Franziska, Christian und Simon vom Geschwisterrat aus Bremen verlasen ein Memorandum, das erklärte, was aus ihrer Sicht ein gutes Geschwisterkinderangebot ausmacht. „Wir wünschen uns Gleichwertigkeit, Anerkennung, Achtung – dass unser Rahmen gefunden wird und dass wir Gehör finden!”, lautete die Botschaft.

Brennpunkt: Was bedeutet Inklusion für Geschwister?

In der Brennpunktdiskussion wurde die Bedeutung der für 2013 gemäß den Richtlinien der Behindertenrechtskonvention anstehenden, flächendeckenden Einführung der Inklusion an deutschen Schulen zusammen mit betroffenen Geschwistern, Eltern und Experten diskutiert. Die Stiftung FamilienBande hatte hierfür im Vorfeld eine Online-Umfrage bei betroffenen Eltern, Geschwistern sowie bei Experten durchgeführt, an der 104 Menschen teilgenommen haben. 86 % der Befragten gaben an, dass bei der Umsetzung von Inklusion auf die besondere Situation der Geschwister Rücksicht genommen werden sollte. Fast 80 % sind der Meinung, dass die Schulen bzw. die Lehrer nicht auf die besondere Situation von Geschwistern vorbereitet seien. Immerhin äußerten sich fast 38 % der Befragten dahingehend, dass sich für Geschwister etwas zum Positiven verändern würde, wenn sie mit ihren kranken oder behinderten Geschwistern dieselbe Schule besuchen würden. Voraussetzung sei aber, dass die Schulen die besondere Situation der Geschwisterkinder kennen und entsprechende Programme bereitstellen müssen – für Lehrer, Mitschüler, aber auch für die Eltern der Betroffenen und nicht zuletzt für die Eltern der Mitschüler. Besonders die Teilnehmer vom Geschwisterrat wiesen ausdrücklich darauf hin, dass sie Inklusion grundsätzlich als positiv bewerten.

Die Runde diskutierte auch das Thema „Mobbing” von Geschwisterkindern an der Schule. Rund 80 % der Geschwisterkinder haben Schulschwierigkeiten und werden gemobbt, berichtete Marlies Winkelheide, Geschwisterexpertin in Bremen. Sie habe Sorge, dass Geschwisterkinder durch die Inklusion die Freiheit verlören, selbst zu entscheiden, ob bekannt werden soll, dass sie eine/n erkrankte/n Bruder oder Schwester hätten. Ebenso bestehe die Gefahr, dass sie in ihrer Rolle als Geschwister auch in der Schule weiter in die Pflicht genommen würden.

Das Fazit der Diskussionsrunde: Inklusion ist ein gesellschaftlicher Lernprozess, der viele Jahre dauern wird. Richtig umgesetzt kann Inklusion bewirken, dass Kinder durch eine gemeinsame Schule zu einem von Wertschätzung geprägten Umgang miteinander finden. Dafür müssen die Politik in die Pflicht genommen und Lehrer geschult werden.

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Kontakt

Irene von Drigalski
Geschäftsführerin
Novartis Stiftung FamilienBande
Öflinger Straße 44
D-79664 Wehr/Baden
irene.vondrigalski@stiftung-familienbande.de

FamilienBande Förderpreis 2013 ging an vier erfolgreiche Projekte und engagierte Helfer

Im Rahmen der diesjährigen Fachtagung wurde der 3. FamilienBande Förderpreis für herausragende Projekte in der Geschwisterkinder-Begleitung verliehen, dotiert mit einer Gesamtsumme von 10.000 Euro.

Aus insgesamt 18 Einsendungen wurden vier Preisträger von einer hochkarätig besetzten Jury unter der Leitung von Prof. Ulrike Ravens-Sieberer, Privatdozent Dr. Michael Kusch und Dr. Birgit Möller in drei Kategorien mit jeweils 2.500 Euro ausgezeichnet.

Kategorie Innovation/Erstprojekt:

„Ich auch”, das Geschwisterkindprojekt der Stiftung Familienorientierte Nachsorge Hamburg SeeYou „CU”

www.nachsorge-hamburg.de

Gesellschaft für Mukopolysaccharidosen (MPS) e.V. für „ICH – 5. MPS-Geschwisterwoche” (Aschaffenburg)

www.mps-ev.de

Kategorie Elternarbeit:

Der Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. (BVHK) für seine FamilienZeiten und Elterncoachings (Aachen)

www.bvhk.de

Kategorie Vernetzung:

Der Verbund für Geschwister. Gemeinsam mehr erreichen: „Jetzt bin ICH mal dran” (Leipzig)

www.elternhilfe-leipzig.de


Einzelheiten zur Fachtagung, zu den Vorträgen und Förderpreisgewinnern sowie zur Stiftung finden Sie hier.

Über die Novartis Stiftung FamilienBande

Etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen mit einem/r schwer chronisch kranken oder behinderten Bruder oder Schwester2 auf. Die gesunden Kinder und ihre Familien befinden sich in einer besonderen und oft auch belastenden Lebenssituation. Daher ist die nachhaltige Verbesserung der Begleitung dieser Geschwister und ihrer Familien ein zentrales Anliegen der Novartis Stiftung FamilienBande. Gemeinsam mit Experten will FamilienBande Bewusstsein für das Thema wecken und aufklären, vorhandenes Know-how und Angebote von der Prävention bis zur Rehabilitation vernetzen bzw. weiterentwickeln sowie wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen und damit die Qualität der Angebote sichern. FamilienBande startete 2010 als divisionsübergreifende Initiative der Novartis-Gruppe Deutschland (Novartis Pharma, Novartis Vaccines and Diagnostics, Novartis Consumer Health, Sandoz/HEXAL sowie Alcon). Seit Mai 2012 ist FamilienBande eine Stiftung.

 

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