MareiceKaiser

Fernwärme übers Netz

Wer Informationen sucht, Austausch und neue Vernetzungsmöglichkeiten, der geht meistens ins Internet. Social Media ist für viele Nutzer DIE Quelle um Neuigkeiten zu erfahren oder auch bestimmte Themen genauer zu betrachten.

Social Networks wie Facebook oder Twitter, Nachrichtendienste, Patientenorganisationen und vor allem Blogs bieten eine große Palette von Nutzungsmöglichkeiten für die Teilnehmer.

Mareice Kaiser ist die Kaiserin im Kaiserinnenreich. Mit im Kaiserinnenreich leben auch die zwei Töchter der Redakteurin. Das Kaiserinnenreich ist ein inklusiver Familienblog.

Inklusiv, weil Kaiserin 1, 2011 geboren, mehrfach behindert ist. Kaiserin 2 ist die „Kleine“, 2013 geboren und völlig gesund. Dazu kommt Mama Mareice, die über das Leben der Familie bloggt.

Und dabei geht es nicht nur um Kaiserin 1. Nein, Mareice Kaiser nimmt auch Themen wie Gefühle und Schwierigkeiten, die sich in einer Familie auftun können, wenn ein Kind behindert ist ins Visier und erzählt darüber. Auch wie es Kaiserin 2 geht, wenn die ältere Schwester ins Krankenhaus muss, ist ein Thema. Sie, das Geschwisterkind muss dann funktionieren. „Sie macht das ganz von alleine, wie auch, dass sie für die Große reagiert, wenn deren Name fällt oder auch besorgt um sie ist, sie bietet das einfach an“, erzählt Mareice Kaiser im Gespräch.

Blogs bieten Unterstützung, Wissen und Vernetzung

Der Blog von Mareice Kaiser wird oft gelesen und kommentiert. Die Anliegen, Wünsche, Geschichten und Erlebnisse, die Mareice Kaiser dort veröffentlicht, sprechen vielen aus der Seele oder unterstützen die, die gerade auf der Suche nach Lösungen und Informationen sind oder nach Kontakten und Vernetzungsmöglichkeiten recherchieren.

Klar ist: Eltern nutzen die Möglichkeiten der digitalen Welt intensiv. „Viele Eltern ereilt der Schock der Nachricht, dass sie ein behindertes Kind bekommen, oft während oder kurz nach der Geburt. Viele Fragen kommen auf und da ist es schon von Vorteil mit dem Smartphone im Internet zu suchen und dann auch auf Blogs zu stoßen, die in diesen Momenten sehr hilfreich und tröstend für die Leser sein können“, weiß Marceice Kaiser.

Blogs bieten Unterstützung, Wissen und Vernetzung. Früher waren Blogs eher „Tagebücher“ heute sind es eher Magazine und Informationsquellen, die realistischer nicht sein können, wenn sie von Menschen verfasst werden, die in der Situation leben.

„Fernwärme“ nennt Mareice Kaiser das

„Für uns war es so wichtig, im Netz selbst zu recherchieren, sonst hätten wir nie die richtige Diagnose für unsere Tochter erhalten“, erzählt sie. „Ein Smartphone zu haben und kurzfristig schon Informationen zu finden und im Netz suchen zu können hilft ungemein.“

Außerdem kommt viel von den Lesern zurück. Es ist die virtuelle Umarmung, die Information und auch die Bestätigung, nicht alleine zu sein, die oft in schlimmen Momenten helfen. Mareice Kaiser kennt das – „Fernwärme“ nennt sie es.

Mit dem Bloggen begann Mareice Kaiser, nachdem sie von vielen Menschen immer wieder hörte: „Schreib doch ein Blog!“. „Ich fand die Idee toll, ich bin schon immer gerne in der digitalen Welt unterwegs und gut vernetzt, aber ich hatte schlicht kein Thema. Für einen reinen Personality-Blog nehme ich mich selbst nicht wichtig genug.“

Das kam mit Geburt von Kaiserin 1, wenn auch nicht sofort. „Zunächst musste ich mich intensiv um meine Tochter kümmern und als unser Leben wieder einigermaßen zu organisieren war, war auch wieder Zeit für mich, die ich nutzte, um mir eine gute Infrastruktur zu schaffen, um bloggen zu können, das war einiger Organisationsaufwand, aber es hat sich gelohnt.“

Ein großes Thema war zum Beispiel die zweite Schwangerschaft. Ein Entschluss, mit dem sich Eltern mit behinderten Kindern oft schwer tun. Mareice Kaiser bloggte darüber, wie wichtig es ihr war, noch einmal Mutter zu werden. „Ich wollte auch Mama sein, ganz normal. Deshalb habe ich mich auch für ein zweites Kind entschieden. Es ist ein gutes Gefühl für mich, auch mal einfach nur eine ganz normale Mama zu sein und diese Erfahrung auch zu machen.“ Ihre Gefühle und Gedanken zum zweiten Kind, dem Geschwisterkind, schildert Mareice Kaiser eindrucksvoll in dem Post „Doppelt hält besser“.

Bloggen in der Zukunft

Das Bloggen im Trend ist und immer wichtiger wird, zeigen nicht nur die Besucherzahlen. „Ich glaube, dass Elternblogs immer häufiger werden, sie werden langfristig viele Elternmagazine ablösen, denn man kann viele Dinge nur nachvollziehen, die man selbst erlebt“, erklärt Mareice Kaiser, die bereits von mehreren Müttern nach Blogkursen gefragt wurde und sich darüber freut.

„Gerade diese Vernetzungsmöglichkeiten sind es, die so spannend sind. Es gibt mittlerweile viele Mütter, die sich in Gruppen organisieren und von ihren Erfahrungen berichten möchten“, erzählt die Bloggerin. Sie möchten andere mit diesem Wissen unterstützen. Eine Entwicklung, die in Deutschland noch am Anfang steht, in Ländern wie den USA jedoch wesentlich weiter fortgeschritten ist.

Das Kaiserinnenreich besteht nicht aus Tagebucheinträgen, sondern aus Artikeln, die immer im gesellschaftspolitischen Kontext stehen. Mareice Kaiser wünscht sich mehr Leserinnen und Leser aus der (Sozial-)Politik und vor allem aus dem Krankenkassen-Umfeld. Genau dort fehle oft das Verständnis dafür, wie wichtig die Unterstützung für Eltern und Kinder, egal ob behindert oder nicht behindertes Geschwisterkind, ist.

Gerade startet Mareice Kaiser eine Interview-Reihe, in der sie Mütter behinderter Kinder porträtiert. Geplant ist auch eine Vorstellung von Geschwisterkindern. Vielleicht übernimmt sogar die kleine Kaiserin irgendwann selbst das Ruder und bloggt aus ihrer Sicht weiter, so Mareice Kaisers Idee.

Sie selbst kann sich ihr Leben ohne den Blog nicht mehr vorstellen. „Die Themen gehen eigentlich nie aus, doch manchmal fehlt mir schlicht die Zeit“, bedauert sie ein bisschen. Sie würde gerne öfter und mehr schreiben, kennt die Bedeutung der digitalen Welt und weiß um deren Ausdehnung.

Was ihr besonders gefällt: wenn man Fernwärme ins Netz schickt und sie irgendwann – wenn man sie braucht – wieder zurückbekommt. Weils manchmal gemeinsam eben doch einfacher ist. Auch virtuell.

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